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Uni-Pionierin stolpert über Baustelle
Follow-up aufgrund eines millionenschweren Skandals

2. Februar 2026 | Von Mareike Graepel | 5 Minuten Lesezeit
An der irischen Universität Limerick kam ein millionenschwerer Immobilienskandal ans Licht. Foto: William Murphy

Als erste Präsidentin einer irischen Universität stand Kerstin Mey für einen historischen Machtwechsel. Heute ist von diesem Aufbruch wenig geblieben: Ein millionenschwerer Immobilienskandal zwang die Berlinerin 2024 zum Rücktritt. Die Affäre beschäftigt Universität, Politik und Justiz bis heute. 

 

Zusammenfassung:

Kerstin Mey schrieb 2020 Geschichte als erste Präsidentin einer irischen Universität und Symbol eines lange überfälligen Machtwechsels. Doch ein Immobiliengeschäft mit Millionenverlusten überschattete ihre Amtszeit: 2024 trat die Berlinerin zurück. Prüfungen von Rechnungshof, Politik und Polizei laufen bis heute. Der Fall zeigt, wie fragil weibliche Aufbrüche bleiben, wenn Strukturen und Kontrolle versagen.

 

Von Mareike Graepel, Irland 

In dem „DEINE KORRESPONDENTIN“-Artikel „Frauen an der Macht“ beschrieben wir eine Deutsche als Symbol eines historischen Bruchs in Irland: Seit Beginn der akademischen Lehre auf der Grünen Insel hatten 428 Jahre lang Männer die Universitäten geleitet – bis 2020. Dann bezogen an vier von zehn irischen Hochschulen Frauen die Chefbüros.

Die Berlinerin Kerstin Mey war die erste Frau an der Spitze, sie übernahm die Leitung der University of Limerick (UL). Damit symbolisierte sie den Beginn einer neuen

Generation weiblicher Hochschulführung in Irland – ein Umbruch größter Wichtigkeit vor dem Hintergrund jahrzehntelanger struktureller Ausgrenzung von Frauen an Universitäten und eine auch den akademischen Nachwuchs inspirierende Entwicklung.

Millionenschwere Folgen belasten Berliner Professorin schwer

Nun aber ist in Limerick im irischen Westen von diesem Aufbruchsnarrativ kaum noch etwas übrig. Wie die „Irish Times“ berichtete, musste Professorin Mey im Sommer 2024 zurücktreten – nachdem sie drei Monate krankgemeldet gewesen war. Unumgänglich gemacht hatte ein Immobiliengeschäft diesen Rücktritt.

Der Skandal belastete die Universität schwer: Die Hochschule hatte 2022 rund 11,9 Millionen Euro für 20 neu gebaute Häuser in Rhebogue, etwa drei Kilometer vom Campus entfernt, bezahlt. Sowohl interne als auch externe Beobachter*innen kamen bei Prüfung des Deals zu dem Schluss, dass der Preis deutlich über dem Marktwert gelegen hatte. Der finanzielle Schaden für die Universität belief sich auf 5,2 Millionen Euro.

Der Universitätsleitung hatten vor Vertragsabschluss nach eigenen Aussagen „korrekte und klare“ Informationen über die tatsächlichen Kosten gefehlt. In einem Bericht der früheren Ministerialbeamtin Niamh O’Donoghue ist zu lesen, dass sich der vereinbarte Kaufpreis in nur neun Tagen um mehr als eine Million Euro erhöhte – auch wegen einer Mietvereinbarung, die im Vertrag selbst nicht transparent ausgewiesen war.

Diese Überzahlung wog besonders schwer, weil die University of Limerick bereits zuvor wegen eines anderen Immobilienkaufs – eines ehemaligen Geländes der Kaufhauskette „Dunes Stores“ – eine Wertminderung von rund drei Millionen Euro verbuchen musste.

Kritik auch wegen eines voll bezahlten Sabbaticals

Im Frühjahr 2024 war der Druck auf Mey massiv gestiegen. Dem staatlichen Fernsehsender RTÉ zufolge hatten zehn Mitglieder der Universitätsleitung ihr das Vertrauen entzogen, immer mehr Beschäftigte äußerten über ihre Gewerkschaften ganz offen Misstrauen gegenüber der Präsidentin. Parallel leiteten sowohl der Rechnungshof als auch die Hochschulbehörde formelle Prüfungen ein. Die Hochschulbehörde ordnete eine gesetzliche Überprüfung der Führungs- und Governance-Strukturen der UL an.

Zwar hat Mey die Mitarbeitenden der Universität per E-Mail darüber informiert, dass die Universität eine Wertminderung von 5,2 Millionen Euro in den Finanzkonten ausweisen müsse. Aber während ihrer Krankschreibung nahm sie nicht an mehreren Sitzungen des entsprechenden Ausschusses im irischen Parlament, dem Oireachtas, teil.

Schließlich blieb der Hochschulkanzlerin Brigid Laffan keine andere Wahl: Sie gab den Rücktritt von Kerstin Mey bekannt, ließ aber verlauten, dass die Berlinerin ab dem September 2024 eine Professur an der Universität übernehmen werde. Eine mehr als umstrittene Entscheidung – denn laut Medienplattform „Business Plus“ sollte Mey zunächst ein mit rund 175.000 Euro voll bezahltes Sabbatjahr bekommen haben und dann als Professorin für Visuelle Kultur zurückkehren, obwohl es an der University of Limerick keinen solchen Studiengang gab.

Das Ende der Geschichte steht noch aus

Die Folge: Die Affäre weitete sich immer weiter aus, die irische Polizei, An Garda Síochána, wurde ins Boot geholt, mehrere UL-Manager*innen wurden suspendiert oder blieben langfristig im Krankenstand. Der irische Rechnungshof stellte in einem Bericht offiziell „erhebliche Mängel“ bei der Sorgfaltspflicht fest und sprach laut „Business Plus“ von einem „beträchtlichen Verlust an Wert für das Geld der Steuerzahler“.

Im Dezember 2025 hat Kerstin Mey beim Obersten Gerichtshof eine einstweilige Verfügung beantragt, um mögliche Disziplinarmaßnahmen der Universität gegen sie zu stoppen. Sie berief sich dabei auf eine Vergleichsvereinbarung, die im Zuge ihres Rücktritts im Juni 2024 geschlossen worden war. Die Entscheidung steht noch aus. Derzeit ist die Irin Ann Ledwith die Übergangsrektorin und stellvertretende Präsidentin der Universität Limerick.


 

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Von Mareike Graepel, Dublin

Mareike Graepel lebt in Dublin und Haltern am See. Sie ist unser Head of Partnerships und kümmert sich um Kooperationen mit (Medien-)Partner*innen. Sie schreibt seit ihrer Jugend für lokale, regionale und überregionale Tageszeitungen und Magazine – zunächst als freie Mitarbeiterin, dann als Redakteurin und seit 2017 selbstständig als Journalistin und Übersetzerin. Ihre Themen drehen sich meist um Gesellschaft, Umwelt, Familie, Gesundheit und Kultur.

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