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Lachen gegen das Trauma
Clown*innen im Libanon

Sabine Choucairs Markenzeichen ist die rote Nase: Als Clownin geht sie auf die Straßen und bringt Menschen zum Lachen. Im Libanon wird das dringend gebraucht: Die Wirtschaftskrise, die Pandemie und zuletzt die Explosion am Beiruter Hafen lasten schwer auf den Gemütern. Doch können die kurzen Momente der Freude wirklich heilen? Von Julia Neumann, Beirut Im Beiruter Stadtviertel Sin el Fil arbeiten zwei junge Männer mit verschmierten Jeans vor einer Autowerkstatt, als eine Frau in goldenem Glitzerkleid auf sie zuhopst. „Sabouny“ trägt eine rote Nase, schwingt ein regenbogenfarbenes Band vor ihnen, lacht und zieht weiter. Hinter der Kunstfigur steckt die ausgebildete Schauspielerin Sabine Choucair. Sie hat Sozialtherapie in New York studiert und 2011 die Theatergruppe „Clown Me In“ gegründet. Mit Workshops und Aufführungen wollen sie vor allem Geflüchteten oder ausländischen Arbeiter*innen eine Freude machen. Ihr Einsatz ist gerade nicht nur bei strukturell benachteiligten Menschen gefragt. Am 4. August 2020 explodierten in Beirut 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat im Hafen, der nur durch eine Schnellstraße von Wohnvierteln getrennt ist. Durch die Explosion starben mehr als 200 Menschen, über 6.000 wurden verletzt, etwa wurden 300.000 obdachlos. Die Detonation hat viele Kultureinrichtungen und Theater zerstört; Häuser und Wohnungen sind beschädigt. Auch durch Choucairs Wohnung im 13. Stock fegte die Druckwelle – die glücklicherweise durch ein großes Weizensilo auf dem Weg gedämpft wurde. Der Stadt fehlen die Gelder für den Wiederaufbau, der libanesische Staat ist pleite. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden mehr als eine Millionen Menschen in dem nur knapp sechs Millionen Einwohnende zählenden Land an Hunger. In dieser Atmosphäre versuchen Choucair und ihre Gruppe, Kinder und Jugendliche auf andere Gedanken zu bringen. Seit der Detonation sind sie dafür bereits mehr als 25 Mal auf die Straßen gegangen. Bei dem Straßenumzug durch Sin el Fil läuft „Sabouny“ mit fünf Clown*innen, trommelnd und pfeifend, umringt von vielen Kindern, zu einem Spielplatz. Dort führt die Theatergruppe eine Show auf. Mit schäumender Seife waschen sie die Hände von einigen Kindern in kleinen Wasserschalen, eine Clownin sprayt Desinfektionsmittel in die Menge und ruft laut „Coronaaa!“, während sie Masken verteilt. Die Clown*innen tanzen und formen Ballonfiguren. Lachen über den Ernst des Lebens Sabine Choucair ist eine energische Frau; wer sie trifft, bekommt gute Laune. Sie kann ihre Stimme ins Quietschende verstellen und macht witzige Geräusche nach, während sie redet. Bei einem Treffen in ihrem Zuhause in Beirut erklärt sie den ernsten Hintergrund ihrer Arbeit: „Wir sind alle traumatisiert. Beginnend mit dem … Lachen gegen das Trauma
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