Der weibliche Blick
6 spannende Projekte im Überblick

Zuzanna Ziomecka (Mitte) hat "NewsMavens" bei den Münchner Medientagen 2017 vorgestellt. Foto: Pauline Tillmann

Gibt es so etwas wie einen weiblichen Journalismus? Eher nicht. Aber es gibt Publikationen, die ihren Schwerpunkt auf Frauen legen. Denn auch wir bei „Deine Korrespondentin“ berichten ausschließlich über Frauen, um sie sichtbarer zu machen. In deutschen Medien wird fünf Mal mehr über Männer als über Frauen berichtet. Wir – und auch einige andere Magazine – wollen das ändern.

Von Pauline Tillmann, Berlin

 

Monica Eller arbeitet als Redakteurin bei „Chai Khana“.

Chai Khana, Tiflis

https://chai-khana.org/en

Die Medienplattform Chai Khana hat ihren Sitz in Tiflis, der Hauptstadt von Georgien. Die Geschichten sind auf Englisch, Russisch, Georgisch, Armenisch und Aserbaidschanisch zu lesen. Neben Frauen wird auch über Minderheiten und Menschen auf dem Dorf berichtet. Das Ziel ist, unterrepräsentierten Gruppen im Südkaukasus eine Stimme zu geben. Chai Khana heißt Teehaus und steht symbolisch für einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen und Geschichten, Ideen und Erfahrungen austauschen. Monica Eller, eine der Redakteurinnen, sagt, in Georgien hätten viele Frauen mit häuslicher Gewalt zu kämpfen: „Aber das Ziel unserer Plattform ist es, diese Frauen nicht immer als Opfer zu zeigen, sondern als Macherinnen und damit als Vorbilder für andere.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, junge Reporterinnen zu fördern – Stichwort Women Empowerment. Viele trauten den Frauen in Georgien nicht zu, eine Kamera zu halten oder einen professionellen Artikel zu schreiben, deshalb sei so eine Plattform wichtig, um ihnen das Handwerk von der Pieke auf beizubringen. Auch damit lassen sich Stereotype bekämpfen. Finanziert wird das Projekt fast ausschließlich von Stiftungsgeldern, allen voran der britischen Botschaft.

 

Fuller Project for International Reporting, London

http://fullerproject.org/journalism/

Das Fuller Project wurde 2014 in Istanbul gegründet. Eine der Gründerinnen, Christina Asquith, war die einzige Journalistin 2003 im Irak, die vornehmlich über Frauen berichtet hat. Der Name des Projekts stammt von Margaret Fuller (1810 – 1850), die die erste Korrespondentin der USA war und die Frauenbewegung zu ihrer Zeit maßgeblich mitbestimmt hat. Das „Fuller Project“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Ungerechtigkeiten, denen Frauen noch immer ausgesetzt sind, zu thematisieren. Außerdem will es führende Frauen zeigen, die die Gesellschaft in ihren jeweiligen Ländern nach vorne treiben. Die Artikel erscheinen in Medien wie der New York Times, TIME, Newsweek oder The Guardian. Das Projekt ist eine gemeinnützige Organisation und wird durch Spenden, Sponsoren, Kooperationen mit Medien und Stiftungen am Leben gehalten.

 

NewsMavens, Warschau

https://newsmavens.com

Eigentlich wollte Zuzana Ziomecka ihr neues Projekt „Women choose the news“, kurz WCN, nennen. Doch die Domain war bereits vergeben. Also heißt es jetzt „NewsMavens“ – das ist geschlechterneutral und bedeutet soviel wie News-Experten. Das Besondere: Es gibt nur Expertinnen, respektive 15 Redakteurinnen in ganz Europa, die täglich interessante Berichte aus ihren jeweiligen Medien auf Englisch zusammenfassen. Derzeit gibt es zwölf Medienpartner – auch „Deine Korrespondentin“ gehört dazu. Das Ziel ist, dass man durch die ausgewählten Berichte begreift, was Europa im Innersten zusammenhält. In Europa hat „Deine Korrespondentin“ allerdings nur eine Korrespondentin – nämlich Carolin Küter aus Lyon. Entsprechend selten sprechen wir Empfehlungen aus. Grundsätzlich werden aber täglich zwischen fünf und acht Artikel empfohlen, unter anderem von „The Irish Times“, der ungarischen „Nepszava“ und „De Standaard“ aus Belgien. Initiiert wurde das Projekt vom Team einer Frauen-Beilage der „Gazeta Wyborcza“ in Warschau, finanziert wird es durch vom Google „Digital News Initiative Fund“.

 

Edition F, Berlin

http://www.editionf.com

An dieser Plattform kommt man heutzutage kaum mehr vorbei. Vor drei Jahren gestartet, bezeichnet sich „Edition F“ selbst als „das digitale Zuhause von Frauen“. Bislang gab es vor allem Artikel von Redaktion und Leserinnen, die nicht selten besondere Einblicke gaben. Zum Beispiel wie man sich als Mütter fühlt, die mit den alten Freundinnen nichts mehr zu bereden hat, weil sich alles immer nur ums Kind dreht. Viele Artikel kreisen um die Themen Karriere, Work-Life-Balance und Elternschaft. Damit hat „Edition F“ eine vornehmlich akademische, vornehmlich weibliche Zielgruppe zwischen 25 und 40 Jahren im Blick. Der letzte große Coup gelang den beiden Gründerinnen Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert mit ihrer „Female Future Force“, für das sie mithilfe von Crowdfunding mehr als 380.000 Euro eingenommen haben. Dafür bekommen die Unterstützer ein Jahr lang – respektive 52 Wochen – Online-Webinare, die sie in ihrer Karriere weiterbringen sollen. Themen sind unter anderem Kommunikation, Finanzen, Führungskompetenz, Ideen und Engagement. Ein Abo für die „Female Future Force“ lässt sich noch immer abschließen – es kostet für das ganze Jahr 129 Euro. Einen Überblick über die Coaches gibt’s hier: https://editionf.com/femalefutureforce/uber.

 

Plan W, München

http://www.sueddeutsche.de/thema/Plan_W

Plan W ist ausnahmsweise kein Digitalprodukt sondern eine Printbeilage der Süddeutschen Zeitung. Das Motto: „Frauen verändern Wirtschaft.“ Es geht – unter anderem – um digitale Nomaden, sexuelle Belästigung im Unternehmen und die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Das Magazin bringt auch einen wöchentlichen Newsletter heraus, der den Newsletter von „Saal ZWEI“ abgelöst hat. Die Süddeutsche Zeitung hat das Onlinemagazin von Stefanie Bilen und Nicole Mai im Sommer 2017 aufgekauft. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. „Plan W“ erscheint vier Mal im Jahr. Das Team ist auf Twitter besonders aktiv: https://twitter.com/SZ_PlanW.

 

femtastics, Hamburg

http://femtastics.com

Auch der Newsletter von „femtastics“ – „dem neuen Magazin für Girlpower“ – ist lesenswert. Darin werden viele interessante Frauen vorgestellt, oft aus den Bereichen Fashion, Food und Lifestyle. Das Besonders sind dabei die opulenten Bilderstrecken. Die Ästhetik gleicht einem professionellen Print-Magazin und doch kommen die Bilder oft wie spontane Schnappschüsse daher. Angereichert wird das Ganze durch die „Girlpower News“, die zum Beispiel eine Frau vorstellt, die die Welt zu Fuß umrundet hat und Tipps zum Weihnachts-Shopping gibt. Auf Instagram sind die drei Gründerinnen besonders aktiv: https://www.instagram.com/femtastics_official/. Ihre verdienen sie, wenn man nach der Webseite geht, mit Beratung, Native Advertising und Sponsoring.

Pauline Tillmann
Von Pauline Tillmann , Berlin

Pauline Tillmann (35) war 2011 bis 2015 freie Auslandskorrespondentin in St. Petersburg und hat vor allem für den ARD Hörfunk über Russland und die Ukraine berichtet. Im Mai 2015 hat sie „Deine Korrespondentin“ gegründet. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Reportagen und Radio-Features über soziale, kulturelle und politische Themen. Im Sommer 2013 hat sie das iPad-Buch „Frei arbeiten im Ausland“ geschrieben, 2015 das eBook „10 Trends für Journalisten von heute“. Mehr unter: http://www.pauline-tillmann.de.